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Mikrostress am Arbeitsplatz und seine Verbindung zum Burnout – Maßnahmen zur Erhaltung psychischer Gesundheit

In einer Ära der ständigen Veränderungen und wachsenden Anforderungen hat die moderne Arbeitswelt eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Technologische Fortschritte, Künstliche Intelligenz, globalisierte Märkte und die zunehmende Komplexität der beruflichen Anforderungen prägen den Alltag von Millionen von Arbeitnehmenden weltweit.

Gleichzeitig berichten die Gesundheitsreporte der Krankenkassen seit mehreren Jahren über die kontinuierliche Zunahme der psychisch bedingten Fehltage am Arbeitsplatz. Ein in diesem dynamischen Arbeitskontext unterschätzter, jedoch wesentlicher Faktor rückt zunehmend in den Fokus: Mikrostress am Arbeitsplatz. Die Summe scheinbar geringfügiger Stressoren, die sich im Laufe der Arbeitszeit akkumulieren, hat das Potenzial, sich auf die psychische Gesundheit Mitarbeitender auszuwirken und eine gefährliche Verbindung zum Burnout zu schaffen.

 

Mikrostress und Burnout

Die Komplexität von Mikrostress liegt in seiner schleichenden Natur, die es erschwert, diese Belastungen auf den ersten Blick zu erkennen. Mikrostress kann als die kumulierte Wirkung scheinbar geringfügiger Stressoren verstanden werden. Diese Stressoren, die individuell betrachtet als unbedeutend erscheinen mögen, können sich jedoch über die Zeit addieren und somit eine subtile, aber signifikante Belastung für die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden darstellen. Dabei können sowohl zwischenmenschliche Konflikte als auch organisatorische Strukturen sowie hohe Arbeitsbelastungen als Mikrostressoren fungieren.

Es sind die unscheinbaren, aber zahlreichen Momente der Frustration, der unklaren Erwartungen oder der fehlenden Anerkennung, die sich langsam in der emotionalen Belastbarkeit von Mitarbeitenden festsetzen und eine gefährliche Spirale in Richtung Burnout in Gang setzen können.

Der Burnout beschreibt hingegen den Zustand der chronischen Erschöpfung, der laut Weltgesundheitsorganisation nun erstmals als „Folge von chronischem Arbeitsstress“ definiert wird. Diese stellt dabei das zentrale Element dar, das sich in einem langanhaltenden Gefühl von physischer, emotionaler und geistiger Müdigkeit manifestiert. Der Betroffene fühlt sich dauerhaft überfordert und ausgelaugt. Dabei entwickelt sich oft eine Art emotionale Distanz und Desillusionierung. Das Gefühl der Macht- und Sinnlosigkeit der eigenen Arbeit verstärkt die belastende Situation der Betroffenen. Aus diesem Mix negative Elemente folgt oft auch eine innere Kündigung, die, wenn die Situation frühzeitig erkannt wird, verhindert werden kann.

 

Beispiele für Mikrostress

Die Entstehung von Mikrostress am Arbeitsplatz ist facettenreich. Die betroffenen Mitarbeitenden berichten, dass

  • sie ständig Herausforderungen gegenüber stehen, unrealistische Arbeitsziele erreichen zu müssen,
  • die Anerkennung Ihrer Leistung durch die Führungskraft ausbleibt,
  • sie direkt von den ineffizienten Kommunikationsstrukturen in der Organisation betroffen sind, die zu Verwirrung und Verzögerungen führen,
  • in Ihren zwischenmenschlichen Beziehungen Probleme auftreten, sei es durch Konflikte, mangelndes Verständnis oder Kooperationsprobleme.

Insbesondere hervorzuheben ist der Einfluss, den Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen am Arbeitsplatz auf die Entstehung von Mikrostress haben. Konflikte, Sticheleien, unausgesprochene Spannungen und somit ein belastendes Arbeitsklima sind Mikrostressoren.

 

Auswirkungen von Mikrostress auf die Entstehung von Burnout

Wie bereits eingangs dargestellt hat Mikrostress auf die Entstehung und Entwicklung eines Burnouts Einfluss. Mikrostress

  • vermittelt das Gefühl der Ohnmacht und Sinnlosigkeit,
  • beeinträchtigt die Arbeitsleistung,
  • wirkt wie ein schleichender Weg zu chronischer Erschöpfung und
  • hat somit Langzeitfolgen für die Gesundheit.

Die enge Verbindung zwischen Mikrostress und den Elementen des Burnouts verdeutlicht somit, dass die Früherkennung und proaktive Bewältigung von Mikrostress von entscheidender Bedeutung sind.

Es ist jedoch wichtig, dass Personen, die bereits Anzeichen von Burnout bemerken, nicht nur auf präventive und unterstützende Maßnahmen setzen, sondern ggf. auch medizinischen Rat einholen.

 

Präventive Maßnahmen gegen Mikrostress und Burnout

Ein ganzheitlicher proaktiver Ansatz zur Bewältigung von Mikrostress am Arbeitsplatz erfordert daher neben dem Fokus auf die individuelle Belastung, auch die Schaffung einer unterstützenden Organisationskultur und der Schaffung positiver zwischenmenschlicher Beziehungen.

Zu den Maßnahmen im Einzelnen zählen insbesondere:

1. Schaffung klarer Kommunikationsstrukturen am Arbeitsplatz / in der Organisation

2. Formulierung realistischer Arbeitsziele

3. Anerkennung von Leistungen durch die Vorgesetzten

4. Etablierung einer unterstützenden Organisationskultur

5. Etablierung eines effektiven Konfliktmanagements

Da zwischenmenschliche Konflikte am Arbeitsplatz einerseits nicht Ungewöhnliches sind, andererseits jedoch eine bedeutende Quelle für Mikrostress darstellen, ist ein effektives Konfliktmanagement unerlässlich. Schulungen zur Konfliktbewältigung und die Schaffung von klaren Richtlinien zur Konfliktlösung können dazu beitragen, belastende Spannungen zu reduzieren. Es ist jedoch ebenso wichtig, das Hinzuziehen eines professionellen Mediators in Betracht zu ziehen, um Konflikte auf konstruktive Weise zu lösen. Ein/e erfahrene/r Mediator:in kann dabei helfen, die Kommunikation zu verbessern, gemeinsame Lösungen zu finden und langfristige Arbeitsbeziehungen zu fördern.

6. Einsatz von Coaching

Die Rolle von Coaching bei der Bewältigung von Mikrostress und der Prävention von Burnout ist in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt gerückt. Die individuelle Beratung durch erfahrene Coaches bietet nicht Unterstützung für bereits belastete Mitarbeitende, sondern dient auch als präventive Maßnahme, um die Resilienz gegenüber Mikrostressoren zu stärken. Dies geschieht im Wesentlichen durch:

– Individuelle Betreuung der Mitarbeitenden

Coaching ermöglicht eine individuelle, auf den/die Einzelne/n zugeschnittene Betreuung. Durch gezielte Gespräche und Analysen können Coaches dazu beitragen, die spezifischen Mikrostressoren zu identifizieren, Strategien zur Bewältigung zu entwickeln und persönliche Ressourcen zu stärken.

– Entwicklung von Coping-Strategien

Ein wichtiger Bestandteil des Coachings ist die Entwicklung effektiver Coping-Strategien. Durch die Unterstützung eines Coaches lernen Angestellte, mit Stressoren konstruktiv umzugehen, positive Denkmuster zu fördern und einen gesunden Umgang mit Belastungen zu entwickeln. Diese Coping-Strategien dienen nicht nur der kurzfristigen Bewältigung schwieriger Situationen, sondern stärken langfristig die psychische Widerstandsfähigkeit.

– Empowerment der Mitarbeitenden

Coaching zielt darauf ab, Mitarbeitende zu befähigen und zu stärken. Durch die Förderung von Selbstreflexion und persönlichem Wachstum unterstützt Coaching die Eigenverantwortung für ihre psychische Gesundheit. Dieses Empowerment trägt dazu bei, dass Betroffene proaktiv an der Prävention von Mikrostress mitarbeiten und frühzeitig auf Warnsignale achten, um somit angemessen reagieren zu können.

– Konstruktiver Umgang mit Belastungen

Coaching bietet einen geschützten Raum für Mitarbeitende, um offen über ihre Herausforderungen zu sprechen. Die Möglichkeit, Belastungen zu teilen und konstruktiv zu besprechen, fördert nicht nur das Verständnis der eigenen Gefühle, sondern ermöglicht auch die Entwicklung von Strategien zur Stressbewältigung.

7. Etablierung von Gesundheitsmanagement

Forschungen haben die positiven Effekte von Coaching bei der Bewältigung von Mikrostress und der Prävention von Burnout auch im Rahmen von Gesundheitsmanagement bzw. dem Aufbau von Resilienz betont. Diese personalisierte Herangehensweise an die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden trägt nicht nur zum individuellen Wohlbefinden derer bei, sondern fördert auch eine positive, unterstützende Unternehmenskultur.

 

Individuelle Bewältigungsstrategien: Maßnahmen zur persönlichen Stressreduktion

Während die oben beschriebenen Maßnahmen in erster Linie auf organisatorischer Ebene ergriffen werden können, sollen die folgenden als Unterstützung für Betroffene dienen, um Mikrostress zusätzlich individuell zu bewältigen. Hierzu zählen u.a:

  • Selbstreflexion:
    • Identifizieren Sie, welche spezifischen Situationen oder Aufgaben Sie besonders belasten.
    • Überlegen Sie, ob es bestimmte Muster gibt, die regelmäßig auftreten.
  • Priorisierung und Zeitmanagement:
    • Setzen Sie klare Prioritäten und arbeiten Sie an einer effizienten Zeitplanung, um Überlastung zu vermeiden.
    • Teilen Sie Aufgaben in kleinere, leichter bewältigbare Schritte auf.
  • Pausen und Entspannung:
    • Planen Sie regelmäßige Pausen ein, um sich zu erholen. Kurze Spaziergänge oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen.
  • Kommunikation:
    • Sprechen Sie mit Vorgesetzten oder Kolleg:innen über die Erwartungshaltung und Ihre Herausforderungen. Offene Kommunikation kann zu Verständnis und möglichen Lösungen führen.
  • Delegieren:
    • Delegieren Sie Aufgaben, soweit es möglich ist und arbeiten Sie aktiv mit Kolleg:innen zusammen.
    • Versuchen Sie Verantwortlichkeiten zu teilen, um die Last gerechter zu verteilen.
  • Feedback einholen:
    • Fragen Sie regelmäßig nach Feedback, um sicherzustellen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Klare Rückmeldungen können Unsicherheit mindern.
  • Grenzen setzen:
    • Lernen Sie, klare Grenzen zu setzen, um Ihre Arbeit und Ihr Privatleben zu trennen.
  • Ressourcen nutzen:
    • Nutzen Sie vorhandene Unterstützungsressourcen, wie z.B. betriebliche Gesundheitsprogramme.

 

Mit effektiven Präventionsmaßnahmen gegen Mikrostress  

Mikrostress, als schleichende Gefahr durch die Kumulation geringfügiger Stressoren, bedroht die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz und kann in einen Burnout münden, der sich u.a. in chronischer Erschöpfung äußert. Präventive Maßnahmen, wie z.B. klare Kommunikationsstrukturen und realistische Arbeitsziele, das Etablieren einer gesunden Arbeitsumgebung mit reduzierter Belastung sind somit von großer Wichtigkeit, um die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden zu erhalten. Die Integration von Konfliktmanagement und Coaching-Programme in einer Organisation sind als effektive Unterstützung zur individuellen Beratung und Stärkung der Resilienz der Mitarbeitenden hervorzuheben, was nicht nur die Bewältigung von Mikrostress fördert, sondern sich auch nachhaltig positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt.

 

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